Cookies sind für die korrekte Funktionsweise einer Website wichtig. Um Ihnen eine angenehmere Erfahrung zu bieten, nutzen wir Cookies zum Speichern Ihrer Anmeldedaten,
um für sichere Anmeldung zu sorgen, um statistische Daten zur Optimierung der Website-Funktionen zu erheben und um Ihnen Inhalt bereitzustellen,
der auf Ihre Interessen zugeschnitten ist. Klicken Sie auf „Stimme zu und fortfahren“, um Cookies zu akzeptieren und direkt zur Website weiter zu navigieren.

Filmrezensionen

Details

Horns

Nach Joe Hills 'Teufelszeug' (orig. 'Horns')

Diese Filmbesprechung eignet sich hervorragend für ein Phrasenschwein. Ich versuche aus dem Grund, ohne „Harry Potter“ und ohne „Stephen King“ auszukommen. Schauen wir mal, wie weit wir es schaffen.


Autor Joe Hill zusammen mit Hauptdarsteller Daniel RadcliffeZum Film. Ignatius „Ig“ Perrish wird beschuldigt, seine Jugendliebe Merrin Williams im Wald missbraucht und ermordet zu haben. Obwohl er aus Mangeln an Beweisen nicht verhaftet wird, verfolgen ihn Reporter auf Tritt und Schritt. Nur sein Bruder Terry und sein Freund aus Kindertagen, Lee Tourneau, stehen an seiner Seite und versuchen Beweise für seine Unschuld zu sammeln.


Ig wacht nach einer durchzechten Nacht an der Seite von Barkeeperin Glenna auf und entdeckt, dass er Hörner bekommt. Noch verwirrender, Jeder der ihm begegnet vertraut ihm seine dunkelsten Geheimnisse an. Mit seinem neugewonnen Talent begibt Iggy sich auf die Suche nach Merrins wahrem Mörder und ihrem ganz eigenem Geheimnis.
Nach der Vorlage von Joe Hills „Teufelszeug“ entstand ‚Horns‘ unter der Regie von Alexandre Aja nach einem Drehbuch von Keith Bunin. Aja kennen eingefleischte Horrorfilmfans von Filmen wie ‚Haute Tension‘ ‚The Hills Have Eyes‘ und ‚Mirrors‘. Für Bunin war es der erste ernsthafte Film. Joe Hill war als ausführender Produzent in das Projekt involviert.

Meine Meinung
Es ist äußerst faszinierend. Ajas Umsetzung trifft den Ton von Joe Hills Vorlage, auch wenn er sich nicht genau daran hält. Es werden einige Dinge vereinfacht, verändert und auf eine andere Art erzählt. Das Baumhaus, welches nur in der Vorstellung der Kinder in der Vorlage existiert, findet Iggy durch Zufall und nutzt es mit Merrin häufiger als Rückzugsort. Der Fluss von Hill wird zu einem großen See, welcher von der Holzindustrie genutzt wird. Ist das Schlimm? Ganz und gar nicht!
Das Erscheinen der Hörner erscheint genauso grotesk wie Iggys Erlebnisse mit den Leuten, die ihm begegnen. Heather Graham zum Beispiel, die als Veronica zu einer durchgeknallten, manischen Lügnerin wird, sobald sie die Hörner entdeckt und Daniel Radcliffe mit weit aufgerissenen Augen erklärt, sie hätte die Unwahrheit nur deswegen erzählt, um berühmt zu werden und sich ihre Brüste machen zu lassen.

Eigentlich war Daniel Radcliffe gar nicht die erste Wahl für die Rolle des Iggy Perrish. Doch im Nachhinein bin ich froh, dass nicht Shia LaBeouf die Rolle bekommen hat. Ich kaufe ihm den emotionalen Schmerz nach dem Verlust seiner großen Liebe genauso ab, wie den Schock nach den Entdeckungen. Seine emotionale Verwandlung geht – für einen übernatürlichen Film – sehr verständlich Hand in Hand mit seiner optischen. Erst als er akzeptiert, was er ist und was er bei seinen Mitmenschen bewirkt, erschließt sich ihm das eigentliche Rätsel. Erst als er nicht mehr reagiert, sondern aktiv vom Gejagten zum Jäger und Ermittler wird, entdeckt er die notwendigen Spuren, die ihm zur Lösung verhelfen.

Daniel Radcliffe und Schlangen - das Image wird er wohl nie losEs wird, ganz wie in der Vorlage, nicht auf Blut und eine Menge an Flüchen verzichtet. Auch wenn die Menge an gewalttätigen Szenen sich erst zum Ende hin sammelt, der Film ist in meinen Augen nichts für schwache Gemüter. Auch wenn die Schlangen, welche Iggy folgen und ihm helfen sehr deutlich mit Hilfe von CGI erstellt wurden, ist ihre Hilfe brutal und nichts für Zartbesaitete. Auch wenn es Szenen gibt, die wie Slapstick inszeniert wurden, der Tod von Merrins wahrem Mörder wird mir noch eine ganze Weile in Erinnerung bleiben.

Alexandre Aja hat einen leichtfüßigen Horrorfilm geschaffen, welcher sich an Formaten wie Krimis und Liebesdramas bedient. Leider könnte das in meinen Augen auch zu seinem Problem werden. Er verfügt nicht über genügend Schockmomente, um bei Splatterfans anzukommen, aber wird Alle sich vom Schirm abwenden lassen, die nach Radcliffes romantischen Erinnerungen an sein Zusammensein mit Merrin, auf eine leichte Krimikomödie hoffen. Es ist auch die Herausforderung, die schon bei der Vorlage zu überwältigen war. Joe Hills Stil springt sehr entspannt zwischen brutalem Splatter und Komödie hin und her um zum Schluss ein großes Ganzes zu ergeben. Auch das haben Aja und Bunin geschafft zu transportieren.

Was sie leider verpasst haben, ist die Fallhöhe von Lee Tourneau aufzuschichten um seinen Fall am Ende wirklich interessant zu erzählen. Für Hill ist es wichtig, ihn als konservativen Gutmenschen aufzubauen. Dagegen wirkt er bei Aja zwar auch wie die Stimme der Vernunft für Iggy, aber sein Wahnsinn zum Ende ist nicht der erwartete Wandel von scheinbarem Engel zu Bösewicht. Er wirkt aufgesetzt und deplaziert. In meinen Augen auch, weil Max Minghella selbst in seiner größten Mordslust wie ein junger, netter Junge wirkt. Aber nicht wie jemand, der Merrin über Jahre hinweg beobachtet und ihre Bewegungen komplett missversteht.

Fazit: 4 von 5 Sternen
„Horns“ ist ein wunderbarer Film, ohne allzu viel Tiefgang. Er ist kurzweilig, bietet einige lustige, wie schockende Momente. Er zeigt uns, ganz wie die Vorlage, wie viel dunkles Potential in einigen Menschen stecken könnte. Ganz egal ob Barbesitzer, die eigene Familie oder die Mutter eines kleinen Kindes. „Horns“ bietet in meinen Augen eine ordentliche Menge an „Was zur Hölle“-Momenten. Schockierend, nicht auf Grund der Brutalität, sondern auf Grund der Antwort auf die Frage: Was würdest du jetzt am liebsten machen.

Aja hat, auch wenn er die Rolling Stones nicht von der Vorlage verwendete, sich Mühe gemacht, Joe Hills Vorlage zu respektieren und so viel von ihr zu verwenden wie möglich. Dass er Einiges veränderte, geht in meinen Augen völlig in Ordnung. Und auch wenn aus den Rolling Stones David Bowie und The Pixies werden, kann ich damit ganz gut leben. Schließlich hat der junge Iggy ein Nirvana T-Shirt an.

Joe Hill kann in der Tat stolz auf das Ergebnis sein. Nicht viele Autoren bekommen ein so gutes Ergebnis ihrer Vorlage präsentiert. Und für fünf Euro für das Phrasenschwein kann er ja mal bei seinem Vater nachfragen, wie es ihm ergangen ist.

   
© Copyright 2016 by www.joe-hill.de